Schmetterling Distelfalter bei Riedenburg im Altmühltal Blütenpflanze bei Kelheim im Altmühltal

Feldwege - wo die Wegwarte blüht

im Naturpark Altmühltal



Feldwege sind viel interessantere Lebensräume, als man denkt. Zwar hält sich die Zahl der Pflanzen- und Tierarten, die sich so kühn den Fahrzeugen der Bauern in den Weg stellen, in ziemlich engen Grenzen. Dafür findet man darunter einige recht interessante Arten - was freilich wiederum auch nicht so sehr ein Verdienst der Feldwege ist, als vielmehr ein Verdienst des genauen Hinschauens: Man findet eigentlich immer "Interessantes", wenn man sich nur genügend dafür interessiert.
Die Flora der Feldwege wird in erster Linie von einjährigen Pflanzen bestimmt, deren Samen alle Jahre wieder die Chance des unbesiedelten offenen Bodens nützen, dann freilich oft nach dem Keimen nicht recht weiterkommen, wenn die breiten Reifen der Traktoren sie immer wieder niederdrücken, knicken und Teile von ihnen abreißen. Viele Wegpflanzen kommen über ein flaches, vegetatives Stadium nicht hinaus. Um so mehr muß man jene Arten bewundern, die trotz der starken mechanischen Belastung Blüten und Früchte hervorzubringen vermögen, darunter so prächtige, wie die blauen Sterne der Wegwarte.
Im übrigen zeigt die Vegetation der Wege und Wegränder viele Übereinstimmungen mit den Pflanzengesellschaften der Terrassen und gepflasterten Plätze, mit denen am Mauerfuß und ähnlichen. Auch an Straßenrändern und Bahnhöfen finden sich Elemente jener Trittgesellschaften, die weniger ein Charakteristikum eines Bodens oder Ortes sind, als vielmehr einer bestimmten Belastung des Bodens und der Vegetation.
In der folgenden Tabelle sind vor allem die einjährigen Pflanzen der Feldwege und Wegränder zusammengefaßt. Was es darüber hinaus oder stattdessen noch alles gibt, sollten Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang einmal erkunden.
Daß Wege auch ihre eigene Tierwelt haben, mag etwas erstaunen. Stark befahrene Wege sind auch tatsächlich für Tiere nicht sehr geeignet - jedenfalls nicht als Wohnstätte. Trotzdem findet man auch auf ihnen oft Zeichen unterirdischer Aktivitäten, z. B. halb in den Boden gezogene Stengel, Strohhalme und Blätter, die vom nächtlichen Wirken der Regenwürmer zeugen.
Aber auch oberirdisch tut sich selbst auf häufig befahrenen Wegen erstaunlich viel. Sie sind, wenn schon nicht Wohnort, so doch Teillebensraum vieler Arten. Die warme, offene erde zieht so manche wärmeliebende Art an und das wiederum lockt schnelle Räuber - Laufkäfer, Raubfliegen, Eidechsen, Vögel - an, die hier auf Jagd gehen. Bachstelzen und Rotschwänzchen, Feldlerchen und Pieper sind hier oft bei der Insektenjagd zu beobachten, Sperlinge, Ammern und Finken suchen hier nach Körnern und Sämereien. Besonders beliebt sind Staubbäder auf Wegen oder ein Bad in der Pfütze. Schwalben sind auf die feuchte Erde der Pfützenränder für den Bau ihrer Nester angewiesen.
Auf weniger stark frequentierten, etwas sandigen Wegen findet man gelegentlich merkwürdige Trichter, an deren tiefsten Punkt - wenn man genau hinsieht - kleine, scharfe Zangen aus dem Sand ragen. Sie gehören dem Ameisenlöwen, der Larve der libellenähnlichen Ameisenjungfer. Ganz ähnlich ernährt sich oft am selben Ort die Larve des Sandlaufkäfers. Auch sie gräbt sich im sandigen Boden ein und lauert auf kleine Laufinsekten.
Im trockenen, aber nicht zu sandigen Boden wenig befahrener und begangener Wege findet man manchmal knapp bleistiftstarke Löcher, um die sich ein kleiner Wall ausgeworfener Erde türmt. Hier sollte man sich Zeit nehmen, das merkwürdige Treiben der Urheber zu beobachten. Es handelt sich um bodenbrütende Hautflügler, Bienen und Wespen, mit hoch entwickeltem Instinktverhalten.


Charakterarten:

Strahllose Kamille, Vogel-Knöterich, Breitwegerich


Begleitarten:

Acker-Hornkraut, Stink-Kresse, Hirtentäschelkraut, Weg-Rauke, Weißklee, Löwenzahn, Kohl-Gänsedistel, Kanadischer Katzenschweif, Echte Kamille, Wegwarte, Englisches Rayfras, Einjähriges Rispengras, Wiesen-Knäuelgras, Weiche Trespe, Hühnerhirse



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Zuletzt aktualisiert am 10.02.2017