Maibaum im Altmühltal


Rund um den Maibaum

in Bayern

Montag, 1. Mai 2017



Der erste Tag des Wonnemonats Mai steht schon ganz im Zeichen der Freude über den Einzug des Frühlings: in den Dörfern und Städten der Maibaum aufgestellt! Über den Ursprung dieses Brauches ist man sich bis heute nicht einig. Wahrscheinlich geht der grüne Baum auf eine Baum- und Waldverehrung in germanischer Zeit zurück. Man sieht in ihm eine Vergrößerung der Lebensrute, er ist Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Segens.
Nicht genau festlegen läßt sich auch, wann der Maibaumbrauch bei uns heimisch geworden ist. Aus dem 13. Jahrhundert gibt es erste Hinweise auf grüne Zweige zum Maianfang. Auf einem Bild des Malers Donauer, der 1585 das Antiquarium der Münchner Residenz mit Ortsansichten ausmalte, findet sich erstmals ein Figurenmaibaum mit grünem Wipfel und Figuren. Es handelt sich dabei um eine Orstvedute von Starnberg. Einen weiteren Bildbeleg eine Maibaums enthält im 18. Jahrhundert eine Votivtafel der Wallfahrt Kleinhelfendorf. Das 1743 datierte Bild zeigt einen Maibaum inmitten eines Dorfes. Aus der selben Zeit, genau aus dem Jahre 1767, stammt ein Bild des bayerischen Hofmalers Peter Jakob Horemans, auf dem neben der Kirche (wohl von Obermenzing in München) auch ein Maibaum mit Figuren und Gipfelbuschen aufragt.
Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelt sich der Maibaum zu einem Symbol des neuen bayerischen Staatsbewustseins, denn die freien Gemeinden sehen in ihm geradezu ein Zeichen der erlangten bürgerlichen Selbständigkeit innerhalb des von Minister Montgelas geschaffenen Staatsgebildes. Das wollen auch die Zeichen der Handwerker sowie von Kirche und Rathaus ausdrücken. Nach einer kurzen Phase des Mißbrauchs im Dritten Reich ist der Maibaum nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem wesentlichen Bestandteil vor allem des südbayerischen Brauchtums geworden. Im Maibaum finden der Zusammenhalt und auch der Wohlstand eines Dorfes einen sichtbaren Ausdruck. Das erklärt auch, daß es alljährlich zu einen Wettstreit kommt, wo der höchste und prachtvollste Baum errichtet wird. Höhen bis zu dreißig Meter sind keine Seltenheit. Regional unterschiedlich wird er entweder nur für die Dauer des Monats Mai aufgestellt oder er bleibt ein Jahr und länger an seinem Ehrenplatz stehen. Von Gegend zu Gegend hat der Baum ein anderes Aussehen: Er wird sowohl mit der Rindes aufgestellt als auch, wie vor allem in Oberbayern, geschält und weiß-blau gestrichen. Vor dem errichten wird der grüne Wipfel mit bunten Bändern behängt und mit einem Kranz geschmückt. Viele Orte setzen ihren ganzen Stolz darein, den Maibaum noch mit geschnitzten Figuren und Zunftzeichen der örtlichen Handwerker zu verzieren. Unten am Stamm wird ein Spruch angebracht, der die Einigkeit des Ortes betont. Gemeinschaftssinn ist ebenfalls eine wesentliche Vorraussetzung, daß immer wieder ein Maibaum das Ortsbild verschönern hilft. So müssen schon viele Burschen und Männer zusammenhelfen, wenn das Prachtstück ohne Beschädigung - bei der Länge des Baumes keine Selbstverständlichkeit - aus dem Wald geholt wird. Meist wird der Baum von der Gemeinde, vom Wirt oder von einem Waldbesitzer gestiftet. Ist er schließlich in vielen Freizeitstunden hergerichtet und mit allen Attributen eine Maibaumes versehen, kommt erst die Hauptarbeit: das Aufstellen. Da werden nun alle verfügbaren Männnerhände des Ortes gebraucht, denn nach alter Tradition wird der Baum mit dicken langen Stangen (sogenannten Schaibeln), die zu "Scheren" zusammengebunden werden, aufgerichtet. Auf ein kurzes Kommando eines erfahrenen "Regisseurs" kommt das kostbare Stück allmählich in eine senkrechte Lage, eine Arbeit, die sich über zwei Stunden hinziehen Kann. Überall dort, wo man noch besonders auf die Einhaltung des alten Brauchtums achtet, ist es geradezu verpönt, sich eine technischen Hilfsmittels, z. B. eines Flaschenzuges oder gar Krans, zu bedienen.
Nicht minder reizvoll und beliebt wie das Maibaumaufstellen ist ein anderer Brauch: das Maibaumstehlen. Nach alter Sitte darf der Baum, der schon mehrere Wochen vor dem Aufstellungstag geschlagen werden muß "gestohlen" werden. Als Diebe kommen die Burschen der umliegenden Nachbargemeinden in Frage, die rechtzeitig "Späher ausschicken. In den letzten Jahren scheuten manche Diebe aber auch keine weiten Anfahrtswege.
Wird ein Baum - trotz Bewachung - gestohlen, so sind zwischen den Dieben und den Bestohlenen oft langwierige Rückgabeverhandlungen erforderlich. Als Auslöse wird gewöhnlich eine große Menge Bier vereinbart, das dann bei der Übergabe gemeinsam getrunken wird. Gewöhnlich kommt es dabei auch wieder zur Aussöhnung der beiden Parteien, vorausgesetzt freilich, die Bestohlenen erklären sich zur Zahlung der geforderten Biermenge bereit.
Wenn die Verhandlungen ergebnislos bleiben - was manchmal vorkommt - stellen die Diebe den gestohlenen Baum einfach als "Schandbaum" auf.

(aus dem Buch "Wie´s in Bayern der Brauch ist" von Dr. Albert Bichler)



zurück zur Homepage Altmühltal


Zuletzt aktualisiert am 10.02.2017