Westenfriedhof in Eichstätt im Altmühltal Epigraph Grabstein Maria Sophia Kettner Maria Sophia Köttner Westenfriedhof in Eichstätt im Altmühltal

Ehemaliger Westenfriedhof

in Eichstätt im Naturpark Altmühltal



Bis etwa zum Jahre 1535 fanden die in Eichstätt Verstorbenenen ihre letzte Ruhestätte auf dem Platz an der Nordseite des Doms, dem "Domfreithof". War es ja auch sonst überall Gepflogenheit die Toten in den die Pfarrkirchen umgebenden "Gottesäckern" zu bestatten. Wiederholt ist man bei Grabungsarbeiten am Domplatz auf Gebeine gestoßen.
Mit dem Anwachsen der Bevölkerungszahlen sah man sich jedoch mehr und mehr gezwungen, die Friedhöfe vor den Toren der Städte anzulegen. Dieses Problem wurde auch in Eichstätt mehr und mehr brennend. Schon 1511 begannen die Beratungen darüber und die Verhandlungen zwischen Domkapitel und Stadtmagistrat. Es dauerte aber noch 23 Jahre, bis nach vielem Hin und Her der Entschluß gereift war, den alten Domfreithof durch vorstädtische Friedhöfe zu ersetzen. Ursprünglich war je einer für die Dom-, Walburgi- und Spitalpfarrei geplant, doch verzichtete man schließlich auf den letztgenannten.
Die Bürgerschaft war zunächst gar nicht für diese Neuregelung zu haben; besonders scheute man die weiten ungepflasterten Wege vor dem Osten- und dem Westentor. Über die langwierigen Vorverhandlungen und die Errichtung der Friedhöfe wird ausführlich berichtet.
Der Westenfriedhof wurde 1535 angelegt und im folgenden Jahre ummauert. Der ansteigende Hang, auf dem er gelegen ist, hieß im Volksmund "Fuchsbühel". Ein Felsen im Boden,für dessen Beseitigung ein Gulden extra bezahlt werden mußte, erschwerte die Anlage. 1538 wurde dann auch die Michaelskapelle erbaut. So hatte nun auch der westliche Stadtteil seinen eigenen Friedhof.
Als 1627 im Gefolge des Krieges eine pestartige Seuche auch in Eichstätt wütete, fanden die von ihr Dahingerafften dort ihr Massengrab, die "Pestgrube". Es soll sich unter der Kreuzigungsgruppe befinden, die später, wohl im 18. Jahrhundert, dort aufgestellt wurde. Ihr Schöpfer und die genaue Zeit ihrer Errichtung konnte bis jetzt nicht festgestellt werden; die Inschrift ist verwittert. Die dramatische Bewegtheit der Gestalten verrät eine begabte Künstlerhand.
Am 8. Februar 1634 besetzten die Schweden den "St. Michaels-Freythof" und brachen von hier aus durch das Westentor zu ihrem vernichtenden Angriff in die Stadt ein. Auch bei diesem Ereignis dürfte der kleine Friedhof Ruhestatt für zahlreiche Opfer geworden sein.
Nachdem 1851 der Ostenfriedhof erweitert worden war, entschloß man sich, den Westenfriedhof aufzulassen. Ein Teil der Grabsteine wurde nach und nach entfernt; vermutlich wurden manche von ihnen mit geänderten Inschriften im Ostenfriedhof wieder aufgestellt. Auch auf die noch vorhandenen trifft zu, was H. Eitel in seiner trefflichen Schrift, einer zeichnerischen Bestandsaufnahme aller alten Grabdenkmäler des Ostenfriedhofs, sagt: Es seien meistens Gebilde aus der Barock-, Rokoko-, Empire-, Zopf- und Biedermeierzeit, doch sei trotz dieser Stilunterschiede eine gewisse Einheitlichkeit dadurch erreicht, daß für alle der gleiche Werkstoff, der einheimische Jurakalkstein, verwendet wurde. Auch die kleinen Abmessungen und die schlichten Formen hebt Eitel im Gegensatz zu manchen neuzeitlichen Prunkdenkmälern hervor. Wie Spuren zeigen, trugen viele der alten Steine oben gußeiserne Kruzifixe.
Noch vor fünfzig Jahren lag der Westenfriedhof baumlos am hellbesonnten Abhang; so zeigt ihn noch die Abbildung aus Maders Eichstätt-Band der "Kunstdenkmäler von Bayern". Später wurde er mit Bäumen bepflanzt, unter deren - fast schon zu reichlichem - Schatten er zu einer idyllischen Anlage heranwuchs. Die Kriegszeiten unseres Jahrhunderts waren der pflegenden Erhaltung eines solchen Platzes nicht günstig - so verwahrloste der kleine Friedhof zusehends, Gestrüpp wuchs über die Gräber, Moos und Frost beschädigten die Steine und machten die Inschriften großenteils fast unleserlich.
Erst in jüngster Zeit erinnerte man sich dieser beschaulichen Totenstätte. Die angeregte Erneuerung im Sinne einer öffentlichen Grünanlage, nach dem Vorbild anderer Städte wurde 1972 durch Zusammenwirken beteiligter Stellen, besonders des Landbauamts und des Verschönerungsvereins, verwirklicht. Es wurde eine stimmungsvolle Anlage mit bequemen Wegen und einigen Ruhebänken geschaffen; die alten, zum Teil künstlerisch und geschichtlich wertvollen Grabsteine wurden vom Gestrüpp befreit und gereinigt, die Inschriften, soweit noch zu entziffern, wurden wieder leserlich gemacht.
Stille und Nachdenklichkeit umgeben uns hier - doch ist das Plätzchen von der "Welt" nicht ganz abgeschlossen, nachdem wir uns auf den obersten Ruhebänken vom Aufstieg ausgeruht haben, betrachten wir absteigend verstreut auf dem Grashang liegenden alten Grabmale.

Auf halber Höhe nahe der Mauer, stoßen wir auf das "berühmteste" Grab des Friedhofs: das der "Soldatin" Maria Sophia Kettner. Zwar ist der Name nach der mundartlichen Aussprache "Köttner" geschrieben, doch lautet der Name, wie auch im Sterberegister der Pfarrei richtig, wie angegeben.
Mit der Randbemerkung "res rara" - eine seltene Sache - hat 1802 der damalige Stadtpfarrer zu "St. Walburg" J. Brentano di Mezzegra die Lebensgeschichte der "Soldatin" in lateinischer Sprache aufgezeichnet. Damit übereinstimmend, lesen wir auf dem Ovalschild ihres Grabsteins:


Maria Sophia Kettner
Am 22. Jenner 1802 starb allhier im 82. Jahr ihres alters die Jungfrau Maria Sophia Köttnerinn von Titting aus dem Eichstädt gebürtig, diente Zur Zeiten der Verewigten Kayserin Maria Thereßia beym K. K. Inf. Regmt. v. Hagenbach als gemeiner und Corporal beynahe 6 Jahr und genoß von daher eine Monath. Pension von 8 fl. zum Zeichen ihres Wohlverhaltens. Ruhe sie sanft.


Durch die Aufzeichnungen des Pfarrers erfahren wir auch, daß das mannhafte Mädchen, das wegen seiner in mehreren Gefechten erprobten Tapferkeit zum Korporal befördert worden war, erst anläßlich einer schweren Erkrankung im Lazarett als Weib erkannt und daraufhin von der Kaiserin mit einer Gnadenpension entlassen wurde. Sie nahm dann ihren Neffen Franz Josef Kettner zu sich, erzog ihn an Kindesstatt und ermöglichte ihm das Studium der Theologie; er war zuletzt Pfarrer in Klein-Abenberg. Maria Sophia Kettner starb im Eucharischen Spital in der Westenstr. später Realschule. Bei ihrer Beerdigung erwies ihr ein zufällig in Eichstätt anwesendes Werbekommando die letzte militärische Ehre.


Öffnungszeiten:

1. April - 31. August  7.00 - 20.00 Uhr



Ehemaliger Westenfriedhof
Westenstr. 88
85072 Eichstätt



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Zuletzt aktualisiert am 10.02.2017