Fronleichnam im Altmühltal


Fronleichnam - der große Prangertag

in Bayern

Donnerstag, 20. Juni 2019



Das bayerische Brauchtumsjahr kennt viele schöne Feste, wohl das prächtigste ist das Fronleichnamsfest, das die katholische Kirche am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert. In dieser Zeit zeigt sich die Natur in ihrem schönsten Kleid, in Gärten, Wiesen und Feldern grünt und blüht jetzt alles. Fronleichnam ist daher wie Pfingsten ein richtiges Frühlingsfest.
Das Fronleichnamsfest geht auf eine Vision einer belgischen Klosterschwester aus Lüttich im Jahre 1246 zurück. Auf ihre Anregung hin setzte es Papst Urban IV. im Jahre 1264 zu Ehren der heiligen Eucharistie ein. Damit sollte der "Leib des Herrn" (das ist die Übersetzung des mittelhochdeutschen Wortes "fronleichnam"), der in der Hostie gegenwärtig ist, besonders verehrt werden. In Bayern heißt der Fronleichnamstag im Volksmund auch "Großer Antlaßtag", womit auf den Gründonnerstag Bezug genommen wird.
Der große Thomas von Aquin bereicherte das neue Fest, das 1317 in der gesamten katholischen Kirche eingeführt wurde, durch Lobeshymnen: "lauda Sion Salvatorem, lauda ducem et pastorem in hymnis et canticis: lobe, Sion, den Erlöser, preise deinen Herrn und Hirten in Hymnen und Liedern".
Schon bald nach der Einführung des Festes war mit der Feier eine Prozession verbunden. Erste Prozessionen sind belegt 1305 in Augsburg, 1343 in München, 1381 in Würzburg, 1407 in Freising. Und bereits aus dem Jahre 1484 ist uns eine erste Münchner Prozessionsordnung überliefert, die den Zünften eine führende Stellung beim feierlichen Umzug zuweist. Nach einem genau festgelegten Reglement beteiligten sich daran 43 Gewerbe, die untereinander um die besten Plätze stritten. Höhepunkte der Fronleichnamsprozession im späten Mittelalter waren "lebende Bilder" von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Im 17. und 18. Jahrhundert traten an die Stelle der Zünfte Bruderschaften als tragendes Element in den Prozessionen. Sie waren es vor allem, die für all die barocke Pracht sorgten, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können. Die Umzüge sollten, ganz im Sinne der Gegenreformation, den katholischen Glauben eindrucksvoll und auch kämpferisch zur Schau stellen. So mußte es nicht verwundern, wenn diese Prachtentfaltung in der Zeit der Aufklärung erheblichen Widerspruch erregte.
Wenn auch vom einstigen Pomp und Prunk heute nur noch wenig geblieben ist, gilt Fronleichnam bis heute im Volksmund als der "Prangertag", das volkstümlichste religiöse Fest des Kirchenjahres. Der Prozessionsweg ist mit Birkenbäumchen eingesäumt, die Häuser werden mit grünen Girlanden und roten Tüchern geschmückt, auf der Straße werden Blumenteppiche ausgebreitet, dazwischen wird frisches Gras gestreut. Und nach alter Tradition werden in der Prozession Fahnen, Standarten, Bilder, Figuren, Leuchter und Kerzen mitgetragen.
An vier Stellen des "Umgangs", wie die Prozession in Bayern heißt, sind Altäre, reich geschmückt mit Birkenbäumchen und Blumen, errichtet, an denen der Pfarrer den Anfang eines der vier Evangelien feierlich vorträgt. Jeweils zum Schluß erteilt er den Wettersegen.
Der eine Umzug geht durch das Dorf, der andere durch die umliegenden Fluren. In den großen Städten ist am Donnerstag die allgemeine Prozession, an der sich alle Pfarreien beteiligen. Am Sonntag führen manche Pfarreien in ihrem Bereich noch einen eigenen Umzug durch.
Die Feier des Festes hat gewöhnlich folgenden Verlauf: Nach der Messe, die in der Kirche oder im Freien gefeiert wird, setzt sich die Prozession in Bewegung, voraus das geschmückte Kreuz, gefolgt von den Schulkindern und den Erstkommunikanten, die Blumen auf den Weg streuen. Ihnen schließen sich Vertreter der örtlichen Vereine, Berufsgruppen und Bruderschaften jeweils mit ihren Fahnen und Standarten an, dazwischen werden immer wieder Heiligenbilder und Statuen mitgetragen. In der Mitte des Zuges schreitet unter dem Traghimmel der Geistliche mit der goldenen Monstranz, flankiert von den Ministranten. Unmittelbar dahinter kommen die Honoratioren.
In manchen Gegenden werden bei der Prozession kleine Kränze aus Birkenlaub, Wiesenblumen, Kräutern und Gräsern, sogenannte Fronleichnamskranzl, mitgetragen. Von jeher wird diesen Kränzen eine große Segenskraft zugesprochen, weshalb man sie in der Stube in den Herrgottswinkel hängt, um das Haus vor Unwetter zu schützen. Ähnliche Kräfte werden auch den Birkenzweigen, den "Prangerstauden", nachgesagt, die am Prozessionsweg aufgestellt werden. Man reißt sie nach der Prozession ab und steckt sie in die Wohnräume, in den Stall und in die Scheune. Das Prangergras, das man auf den Prozessionsweg streut, hat man früher dem Vieh unter das Futter gemischt.

(aus dem Buch "Wie´s in Bayern der Brauch ist" von Dr. Albert Bichler)



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Zuletzt aktualisiert am 09.12.2018