Karmelitenkloster bei Abensberg in der Hallertau


Ehem. Karmelitenkloster "Unserer lieben Frau vom Berge Karmel"

bei Abensberg im Hopfenland Hallertau



Gründung des Klosters um 1390 durch Johann II. von Abensberg und seine Gemahlin Agnes von Lichtenstein. Der Kirchenbau zog sich bis Mitte 15. Jh. hin. 1695 Entfernung des Lettners, der bis dahin Chor und Laienkirche getrennt hatte. 1697 Ausbau der Josephskapelle an der Südseite des Langhauses.
1710-1712 maßvolle Barockisierung der Kirche. Prior Ambrosius berief seinen in Bausachen erfahrenen Bruder, den Bürgermeister Andreas Haisinger aus Straubing und den Franziskaner-Architekten Frater Philipp Blank, der damals das Straubinger Franziskanerkloster baute. Im Mittelschiff und Chor wurden statt der bis dahin bestehenden Flachdecken, Gewölbe eingezogen, Fenster erweitert. Im Zuge dieser Barockisierung rückte man den Hochaltar, der früher im Schluß des Chores gestanden hatte, in dessen Mitte. Im abgetrennten Ostteil wurde eine Zwischendecke eingezogen; unteres Geschoß als Sakristei, oberes Geschoß als Betraum eingerichtet. 1803 säkularisiert, ging die Kirche 1839 an die Stadt über.

Äußeres. Dreischiffige Basilika mit eingezogenem Chor in der Breite des Mittelschiffes. Beeindruckend die Längsstreckung des Baukörpers, insbesondere des Chores, und seine karge Gestaltung gemäß den Forderungen des Bettelordens. Östlicher Teil des Chores mit Streben verstärkt, um die das Sohlbankgesims herumgekröpft ist. Die alte Sakristei, die nordseitig in Verlängerung des Seitenschiffes dem Chor kapellenartig anliegt, schließt dreiseitig. Nur hier erhalten die Spitzbogenfenster. Barocke Sprenggiebel-Portale an der West- und Nordseite. Über dem Chor bescheidener Dachreiter. Südseitig am Chor Kreuzgang.

Inneres. Langhaus zu fünf Jochen. Scheidung der Schiffe durch breite Spitzbogenarkaden, gestuft und gefast. Die sehr niedrigen Pfeiler ungewöhnlicherweise sechskantig. Kämpfer der beiden östlichen Pfeilerpaare mit Stäben und Kehlen profiliert, sonst einfach. Im Mittelschiff und Chor durchgehendes barockes Stichkappen-Tonnengewölbe über flachen Wandvorlagen mit Gesimsstücken. Seitenschiffe gotisch gewölbt: kräftige flach gekehlte Kreuzrippen (in den Ostjochen abgeschlagen). Die Rippen ruhen auf den Kämpfern der Arkadenpfeiler bzw. an den Seitenwänden auf Konsolen. Diese sind überwiegend mit Laubwerk und Masken skulptiert, vergleichbar den Bildhauerarbeiten am Portal der Pfarrkirche. Schlusssteine großenteils reliefiert: Schweißtuch Christi; Engel mit Wappen der Abensberger; segnende Hand Gottes (Nordseitenschiff); Löwe, seine Jungen anhauchend; Wappenschild mit Hirsch (Südseitenschiff).
Deckenbilder im Mittelschiff ursprünglich von dem Kelheimer Maler Jakob Schemmer, 1714 derb vereinfachend restauriert. Die Hl. Familie, am Berg Karmel halt machend; Muttergottes vom Berg Karmel; Verklärung Christi. - Deckenbilder im Chor 1941.
Ausstattung entstanden im Zuge der Barockisierung, unter maßgeblicher Beteiligung von Ordenskünstlern sowie des Bildhauers Franz Anton Neu und des Malers Johann Gebhard, beide aus Prüfening bei Regensburg.
Hochaltar laut Inschrift 1717 privilegiert. Monumentaler, braunmaserierter und vergoldeter Aufbau. Er riegelt wie eine Trennwand den rückwärtige, als Sakristei genutzten Teil des Chores ab. Effektvoll ausgestellte Säulen mit geschweiftem Gebälk, das über dem vorderen Säulenpaar in Form gesprengter Giebel ausgebildet ist. Die schwerleibig aufgefassten Seitenfiguren wahrscheinlich begonnen vom Klosterschreiner Frater Jakob Hölzl und überarbeitet von Fr. A. Neu. Dargestellt die Propheten Elias und Eliseus sowie die Hl. Athanasius und Angelus. Anbetende Cherubim auf den Giebelschenkeln: vorzügliche Werke, die das Rokoko vorwegnehmen. Beachtliches Altarblatt, bez. J. H. G. (Johann Gebhard) 1716: St. Simon Stock empfängt Maria das Skapulier.
Kredenzaltäre errichtet 1715 von Frater Jakob Hölzl in Angleichung an den Hochaltar. Bildschnitzarbeiten wohl von Fr. A Neu. Gemälde von J. Gebhard, südlich sign. U. dat. 1715. - Frontseitenaltäre errichtet 1717 (Süd) und 1719 (Nord). Letzterer mit Gemälde Hl. Familie, sign von J. Gebhard. Am Südaltar wiederverwendet ein älteres Gemälde: St. Vitus mit den andren Nothelfern, 1671 von Frater Ägidius aus Straubing.
Kanzel um 1720. Schreinerarbeiten vermutlich von Frater Jakob Hölzl, Bildschnitzarbeiten von Fr. A. Neu. Prachtvolle Anlage. Halbfigurenmedaillons der Evangelisten zwischen trennenden Putten-Karyatiden. Auf dem Schalldeckel Figur Salvator. - Nepomuk-Gruppe in Baldachingehäuse, der Kanzel gegenüber errichtet und ihr angeglichen. 1724 war die originelle Anlage im wesentlichen vollendet, Bildschnitzarbeiten von Fr. A. Neu. Zwei Engel reichen dem Heiligen Kranz und Palmzweig dar. Als Baldachinbekrönung Figur des Hl. Michael mit Flammenschwert und Stifterwappen.

Im Jahre 2003 wurde der Kreuzgang generalsaniert und die Fenster zum Innenhof hin wurden mit Glas versehen. Von 2005 bis 2015 wurden 15 Fenster im Kreuzgang neu gestaltet und gefertigt. Seither finden in diesem besonderen Ambiente Festakte, Konzerte und sonstige, würdevolle Veranstaltungen statt.



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Zuletzt aktualisiert am 10.02.2017